Sauberes Trinkwasser zu jeder Zeit

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14.04.2014 09:02
Die WEW Westerwälder Eisenwerk GmbH ist ein führender Anbieter von Tankcontainern

Ob Forschungsstation in der Antarktis oder die Bundeswehr im Einsatz: Die Tankcontainer der Westerwälder Eisenwerke sind im Einsatz, wenn es auf besondere Zuverlässigkeit ankommt.

Weitefeld. Auf dem Hof stehen dutzende einachsige Tankcontainer. "Alle in diesem bestimmten Grün gestrichenen fallen unter das Kriegswaffenkontrollgesetz", sagt Jan Gerhard-de Vries. Was denn mit den drei anderen sei, rechts daneben? "Die nicht", kommt die Antwort. Aber die würden sich doch gleichen? "Bis auf die letzte Schraube – nur, die sind sandgelb."

Und der Unterschied hat Folgen: Der Tankcontainer in sandgelb ist ein normales Industrieprodukt, ein grüner kann, wie es das Kriegswaffenkontrollgesetz vorschreibt, nur mit Genehmigung des Bundesministers für Wirtschaft verkauft werden. Doch den damit verbundenen Aufwand nimmt die WEW Westerwälder Eisenwerk GmbH gern in Kauf – denn der anspruchsvolle Kundenkreis ist eine Auszeichnung für die Produkte.

Das Unternehmen aus dem östlichen Westerwald ist nämlich einer der weltweit führenden Anbieter von speziellen Tankcontainern für gefährliche Flüssigkeiten und Gase sowie flüssige Lebensmittel. Im militärischen Bereich sind es vor allem Tankcontainer für Wasser und Kraftstoff, die für viele Armeen der Welt in der Gemeinde Weitefeld entwickelt und gebaut werden.

Eine neue Entwicklung der WEW: ein Spezial-Tankcontainer für den Transport von Brom."Angefangen hat das im Grunde genommen mit den ersten Auslandseinsätzen der Bundeswehr im Kosovo", so Geschäftsführer Gerhard-de Vries. Mit einer damals schon über 30-jährigen Erfahrung im Spezial-Tankcontainerbau konnte das Unternehmen den hohen Anforderungen der Bundeswehr gerecht werden. Die Westerwälder bauen seitdem als einziger Anbieter sowohl Trinkwasser- als auch besonders sichere, doppelwandige Kraftstofftankcontainer für die deutschen Soldaten im Auslandseinsatz, etwa in Afghanistan.

Die US-Armee kauft Tankcontainer im Westerwald
Besonders stolz ist Gerhard-de Vries darüber, dass selbst die US-Armee ihre Tankcontainer aus der deutschen Provinz bezieht. "Bei den zwei laufenden Trinkwasserprogrammen sind wir zwar nicht der ‚Prime Contractor’ (dies sind Firmen in den USA, die Komplettierungsarbeiten ausführen), allerdings weiß die US Army, welchen hohen Entwicklungs- und Fertigungsanteil wir haben." Auch wenn derzeit ein amerikanischer Wettbewerber einen Nachfolgeauftrag bekommen hätte, ist man im Westerwald optimistisch, "dass wir auch in Zukunft wieder in beiden Wasserprogrammen in den USA mitspielen werden. Zumal wir zwischenzeitlich auch eine Tochterfirma jenseits des Atlantiks gegründet haben", so der Firmenchef.

An einem Stahltank werden die Schweißnähte geglättet.Die Anforderungen an die Produkte, die die 130 Mitarbeiter der WEW mit modernsten Produktionsmethoden herstellen und vertreiben, sind vielfältig: So muss ein Tankcontainer allen nur möglichen transporttechnischen Bestimmungen entsprechen. Er muss weltweit legal einsetzbar sein und die rauen Transportbeanspruchungen schadlos ertragen. Der Optimismus der Weitefelder ist aber durchaus begründet: "Unsere Tankcontainer haben sowohl die vielfältigen Erprobungen der Bundeswehr als auch ein Testprogramm der US-Armee im Testzentrum in Aberdeen bestens bestanden und die Erwartungen der Auftraggeber oft übertroffen", so Gerhard-de Vries.

Auch radioaktiv verseuchtes Wasser wird wieder trinkbar
Vor allem die Trinkwassertankcontainer sind mehr als nur Wasserbehälter. Je nach Anforderung sind sie mit Stromerzeugern, Technik für die Erhaltung der Wasserqualität, Heiz- und Kühlsystemen oder kompletten Wasseraufbereitungseinheiten ausgerüstet. Das Ergebnis: "Egal, welche Wasserqualität in Brunnen, Flüssen, Seen oder Teichen die Soldaten vor Ort vorfinden, mit unseren Systemen lässt sich überall sauberes Trinkwasser herstellen." Das gilt sogar für radioaktiv verseuchtes Wasser. "Mit Hilfe solcher Anlagen", sagt der Geschäftsführer, "ließe sich auch das Problem mit dem radioaktiv verseuchten Wasser in Fukushima lösen.“

Nach längerem Einsatz werden Tanks, hier mit einer Anlage zur Erhaltung der Wasserqualität, bei der WEW runderneuert.Die Tankcontainer würden gegenüber Einwegverpackungen natürlich eine höhere Investition bedeuten. Im Verhältnis mit der "Lebensdauer und der Rationalisierung, die der Transport in solchen Systemen ermöglicht", seien sie, auf die Lebensdauer bezogen, jedoch eine "wirtschaftlich interessante Alternative". Die Lebenserwartung beträgt zwischen 20 und 30 Jahren, betont Gerhard-de Vries, daher würden immer mehr zivile und militärische Logistiker in diese Systeme investieren. "Die US-Armee hatte beispielsweise berechnet, dass ein Liter Wasser, wäre es in den USA in Plastikflaschen abgefüllt und zu den Truppen im Irak transportiert worden, rund 90 Dollar gekostet hätte."

Treibstofftanks für Forschungsstationen in der Antarktis
Zum Schweißen müssen die Mitarbeiter schon mal in den Tank.Die Spezialisierung auf Tanksysteme begann bei dem 1939 als Schweißerei gegründeten Betrieb Ende der 1960er Jahre. Damals fing man in Weitefeld an, die Tankcontainer zu bauen, ein System, das die Logistik weltweit revolutionierte. Dabei wurden Tanks für unterschiedlichste Stoffe in Rahmen eingesetzt, die die Maße von ISO-Containern haben. Die lassen sich somit stapeln und auf Lkws, Zügen oder Schiffen transportieren. Die unterschiedlichen Tanksysteme der WEW sind für mehr als 2.000 Substanzen, vom einfachen Wasser bis zu hochbrisanten Chemikalien, zugelassen. "Unsere Tankcontainer gehören zu den vielseitigsten, langlebigsten und sichersten der Welt", sagt Jan Gerhard-de Vries. So finden sich beispielsweise doppelwandige Treibstofftanks auf mehreren Forschungsstationen im hochsensiblen Bereich der Antarktis, darunter das deutsche Alfred-Wegener-Institut.

Eine weitere Spezialität der Westerwälder sind Tankcontainer, die von unterschiedlichen Transportfahrzeugen nicht nur transportiert, sondern auch selbstständig auf- und abgeladen werden können. So verwenden Armeen, Feuerwehren und Katastrophenschutzorganisationen, wie beispielsweise das THW, zunehmend Einsatzfahrzeuge, die mit einem genormten Hakenliftsystem ausgerüstet sind. Das macht einen hochflexiblen und häufigeren Einsatz der teuren Fahrzeuge möglich, da diese in der Lage sind, Hakenliftcontainer aller Art zu transportieren. So können beispielsweise bei Naturkatastrophen zivile Feuerwehrsysteme auf militärischen Fahrzeugen eingesetzt werden, während gleichzeitig blaue Lkw des THW grüne militärische Tankcontainer transportieren. Dass die dann, aufgrund ihrer Farbe, dem Kriegswaffenkontrollgesetz unterliegen, dürfte in solchen Fällen allerdings unerheblich sein.

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